Gespannt waren die zahlreich erschienenen Besucher, wie die Kammeroper München den Klassiker „Charleys Tante“ umsetzen würde. Diese Operette in deutscher Sprache nutzt Musik von Ernst Fischer und wurde von Dominik Wilgenbus 2014 mit erfrischenden Texten voller Situationskomik gefüllt. Das Publikum staunte zudem nicht schlecht, als es im Programmheft las, dass der Textdichter zugleich noch Regisseur des Stückes ist und auch noch den Butler Brassett gibt, der heimlich das Geschehen leitet. Aber von Anfang an: Hoch über den Köpfen der Darsteller thronten zwei beleuchtete Landkarten, Brasilien auf der einen, Indien auf der anderen Seite, die den Rahmen des Stückes bildeten. Das Viktorianische Zeitalter spielte in der Operette eine wichtige Rolle, die Charaktere waren sich stets bewusst, dass sie Produkte ihrer Zeit sind, und brachten dies auch mit viel Selbstironie rüber. Statt in Oxford zu studieren, hat Charles Wykeham (überzeugend gesungen und gespielt von Semjon Bulinsky) nur eines im Sinn: seine Amy (so stimmgewaltig wie reizend: Anne-Katrin Steffens), Tochter seines strengen Dekans Lord Stephen Spettigue (Stephan Kastner), der von den Studenten auch als „MacMoral“ bezeichnet wird. Charley wird von der baldigen Ankunft seiner bis dato unbekannten Tante Donna Lucia d’Alvadorez (Katharina Blaschke) unterrichtet, die er flugs als Anstandsdame zum Lunch verpflichten will, um Amy einen Antrag machen zu können. In der Zeitung steht zudem, dass besagte Tante millionenschwer ist, weswegen sie von Charleys Onkel Sir Francis Chesney (Torsten Frisch) geehelicht werden soll, da dieser Nachricht über finanzielle Schwierigkeiten der Familie bringt. Lord Francourt Babberley, genannt „Babbs“, schleicht noch ganz verliebt in seine Urlaubsbekanntschaft Ela Delahay (Theresa Pilsl) durch Charleys Haus und muss sich wegen der Verspätung der echten Tante selbst in diese verwandeln. Maximilian Nowka machte in dieser Rolle eine so selbstbewusste Figur, dass man ihn sich gar nicht mehr ohne das schwarze Kleid und gestrenge „brasilianische“ Häubchen vorzustellen vermochte. Für die herrliche Absurdität sorgten nicht nur die Charaktere, sondern auch das von Peter Engel erdachte Bühnenbild: In beiden Räumlichkeiten, Charleys Zimmer und Lord Spettigues Salon, bildete eine überdimensionale Bücherwand die Requisite. Durch Kants „Kritik der praktischen Vernunft“ gelangte man in den Garten, und der ein oder andere Band eignete sich prima als Aufbewahrungsort für Champagner, Schnittchen oder Staubwedel. Ebenfalls sehr komisch war das erlesene Orchester der Kammeroper unterwegs: Unter der Leitung von Nabil Shehata, eines jungen und großen Talents, störte ein keckes Geigensolo beharrlich Amys Arie. Als Babbs sie am dringendsten brauchte, zündete der Dirigent ihm gnädig eine Zigarre an. Musikalisch hervorragend, ein zündender Gag nach dem anderen, wohl durchdachte Choreografien und kleine Akrobatiknummern zwischendurch – noch vor der Pause war klar, dass die Operette ein durchschlagender Erfolg sein würde. Am Ende wartete natürlich ein Happy End auf alle Beteiligten, ausgenommen Lord Spettigue, dem es allerdings auch keiner gegönnt hätte. Die Wormser klatschten laut und gaben nach dem dritten Vorhang auch die wohl verdienten stehenden Ovationen.Lesen Sie mehr auf:http://www.queenieprom.co.uk/high-low-prom-dresses | http://www.queenieprom.co.uk/blue-prom-dresses-online